Etappen

9. 28.06.2011
Kempten - Buchenberg
10. 29.06.2011
Buchenberg - Weitnau

 

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2. Kloster Schäftlarn - Kloster Andechs

Mohnblumen Dienstag, 21. Juni 2011

28 km / 8 h
Kloster Schäftlarn – Ebenhausen – Neufahrn – Harkirchen – Starnberg – Maising – Aschering – Kloster Andechs
Im grossen Zimmer habe ich eine ruhige Nacht bis ich pünktlich um fünf Uhr in der Früh von der Klosterkirche geweckt werde. Die Turmglocken läuten sturm, die Benediktiner Mönche müssen wohl zum Morgengebet. Ich drehe mich im Bett noch zwei, dreimal um und döse noch weiter, bis ich um viertel vor sieben dann aufstehe. Das Frühstück ist gut, es gibt sogar ein Ei! Um acht Uhr möchte ich starten, will aber an der Klosterpforte noch einen Stempel holen. Ich bin gleich wieder da steht da auf einem Zettel bei der Pforte. Ich warte und warte. Was heisst da gleich? Nach einer Ewigkeit von einer Viertelstunde habe ich den gewünschten Stempel in meinem Pilgerpass.
Weil das Kloster fast an der Isar unten liegt, führt der Weg steil bergauf. Aber nicht sehr weit, dann bin ich in Ebenhausen. Suchen Sie die S-Bahn? Frägt mich eine ungefähr vierzig jährige Frau. Sehe ich denn wie ein Tourist aus? Noch nicht wie ein Pilger? Nein, ich suche die Muschel, entgegne ich ihr. Ganz entgeistert geht sie weiter, hat wohl noch nie etwas vom Jakobsweg gehört. Ich wandere nach meinem Gefühl weiter und etwa nach 200 Metern sehe ich wieder eine Muschel. Das Wetter ist sehr schön und die Sonne brennt schon ganz ordentlich. Also schmiere ich mich ein, setze das Käppi auf und wandere auf vielen verkehrsarmen Asphaltstrassen bis Harkirchen. Dort wähle ich den roten Weg, die nördliche Variante bis Starnberg. Der Weg führt nun schön dem See entlang bis nach dem Bahnhof Starnberg, wo er durch die niedere Fussgängerunterführung rechts weg geht. Irgendwie bin ich schon wieder in einem Aussenquartier. Ich wollte eigentlich noch Verpflegung kaufen, aber hier gibt es keinen Laden mehr. Am Rande von Starnberg ist die Wasserversorgung der Stadt. Und da gibt es einen Trinkwasserbrunnen. So kann ich wenigstens etwas Wasser trinken und die leere Petflasche nachfüllen. Nun wandere ich durch die idyllische Maisinger Schlucht. Die ist zwar nicht so wild und bizarr wie das Jagsttal, aber doch sehr angenehm. Jetzt kommt das Dorf Maising, aber der einzige Gasthof hier hat heute Ruhetag und natürlich gibt es auch keinen Laden hier. Also muss ich hungrig weiter. Die Sonne brennt nun unerbärmlich, und der Weg führt durch ein Naturschutzgebiet zum Maisinger See. Da ist ein Parkplatz mit vielen Autos. Also hier wird es sicher etwas zu Essen geben. Tatsächlich steht hier ein riesiges Selbstbedienungsrestaurant. Ich esse hier ein Paar Weisswürstli und zwei Brezen und trinke einen Liter Mineral. Nach dem ausgiebigen Halt wandere ich gut motiviert auf schönen Wegen bis zum Kloster Andechs. Dabei überhole ich eine ältere Dame aus München, die ganz alleine von Starnberg bis Andechs unterwegs ist. Das Kloster Andechs liegt auf einem Hügel, und ich kann es bereits von weitem sehen. Etwa zwanzig Minuten später frage ich an der Klosterpforte nach einem Zimmer. Nach vorweisen des Pilgerpasses führt mich die nette Pförtnerin in den zweiten Stock des Gästehauses, wo verschiedene Pilgerzimmer sind. Ich erhalte ein kleines Zimmer, wo vier Betten und zwei Stühle reingezwängt sind. Aber bis jetzt bin ich der Einzige in diesem Zimmer und kann mich so etwas breit machen. In einem anderen Zimmer gegenüber sind drei Pilgerinnen einquartiert.
Nach Duschen, Umziehen und einem Besuch der Kirche sitze ich nun im Biergarten des Kloster Brauhauses bei einem einheimischen Bier. Es hat sehr viele Leute und Touristen hier. Das erinnert mich ans Kloster Kreuzberg von letztem Jahr. Auch hier ist der Biergarten wichtiger als die Kirche. Ein Unterschied, das Wetter ist viel schöner und wärmer, darum sind sehr viel mehr Leute hier.
Die drei Pilgerinnen setzen sich an meinen Tisch, und wir führen interessante Gespräche rund um den Jakobsweg. Zwei von ihnen wohnen in Konstanz und eine in Tägerwilen in der Schweiz. Die Tochter der Tägerwilerin ist Lehrerin an der Kantonsschule Wil. Und meine Tochter Franziska schrieb bei ihr die Maturaarbeit. Wie klein die Welt doch ist! Zum Nachtessen begeben wir uns ins bediente Restaurant etwas weiter unten. Im Biergarten geniesst man eine prächtige Aussicht auf den Ort Andechs. Ein herrlicher Sommerabend am längsten Tag! Das Essen ist deftig, knusprigen Schweinebraten und Kartoffelknödel begleitet mit einem Krautsalat. Und dazu das berühmte Doppelbock.
Mit einem Glas Riesling neigt sich ein schöner Sommerabend zu Ende. Etwas nach 22 Uhr ziehen wir uns in die Pilgergemächer zurück. Tatsächlich, ich bin immer noch der Einzige im Vierbettzimmer und das ist gut so. Weil ich vor Durst lange nicht einschlafen kann, hole ich mir im Essraum zwei Stockwerke weiter unten aus dem Automaten eine Flasche Andechser Sprudelwasser. Nach dem erfrischenden Getränk schlafe ich doch noch gut ein.