Etappen

9. 28.06.2011
Kempten - Buchenberg
10. 29.06.2011
Buchenberg - Weitnau

 

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4. Schondorf - Wessobrunn

Kloster Wessobrunn Donnerstag, 23. Juni 2011

28 km / 7.5 h
Schondorf – Utting – St. Alban – Diessen – Haid – Wessobrunn
Heute muss ich nicht so früh aus den Federn, denn es gibt erst ab acht Uhr Frühstück. Dieses ist etwa gleich gut, wie beim Kloster gestern. Weil ich vorher alles bereits gepackt habe, starte ich um ein Viertel vor neun. Der Himmel ist bedeckt, aber es ist noch trocken. Ich marschiere die eineinhalb Kilometer zum See hinunter, wo ich wieder auf den Jakobsweg stosse. Nun führt der Weg dreizehn Kilometer dem Ammersee entlang Richtung Süden. Die Strecke ist sehr abwechslungsreich vorbei an prachtvollen Residenzen, dann aber wieder durch Wälder und Naturschutzgebiete. Bei der Kirche St. Alban, kurz vor Diessen, raste ich zum ersten Mal heute. In der Ferne auf der anderen Seite des Ammersees ist der Hügel mit dem Kloster Andechs sehr gut zu erkennen. Nach etwa zwanzig Minuten wandere ich nach Diessen weiter. Hier gehe ich zum Bancomaten, wer weiss, wie lange es geht, bis der nächste kommt?
Es ist halb zwölf Uhr. Soll ich hier etwas essen gehen? Die Geschäfte sind alle geschlossen, es ist Feiertag, Fronleichnam. Ja, es gibt sicher keine Einkaufsmöglichkeiten mehr bis Wessobrunn, und das sind immerhin noch fünfzehn Kilometer. Also gehe ich in eine Pizzeria, und die ist ganz gut. Der Geschäftsführer Mario ist sehr nett, und es hat viele Gäste hier, ein gutes Zeichen. Ich bestelle mir meine Lieblingspizza mit Schinken und Pilzen für nur 5 Euro, eine Aktion, die es jeden Donnerstagmittag gibt. Dazu trinke ich vier Deziliter Mineral und ein Einerli Vino da Casa. Am Schluss runde ich das feine Essen noch mit einem kräftigen Espresso ab.
Gestärkt wandere ich weiter. Bei der markanten Kirche, etwas oberhalb im Städtchen, beginnt es doch tatsächlich zu regnen. Das erste Mal seit München, ziehe ich meine Regenjacke an und stülpe den Rucksackregenschutz über mein Gepäck. Der Weg führt nun noch etwa vierzehn Kilometer über Felder, durch grosse Wälder, vorbei am Mechtildisbrunnen und nachher an der Mechtildiskapelle. Weiter und weiter, nass und nässer bis Haid. Hier wäre die private Pilgerherberge Uschi; ich möchte aber noch lieber bis Wessobrunn. Im Gasthof in Wessobrunn frage ich nach einem Zimmer. Weil der Gasthof im Umbau ist, gibt es aber keine Zimmer, nur das Restaurant ist geöffnet. Ich solle beim Kloster nach einer Unterkunft fragen. Also gehe ich an die Klosterpforte und klingle. Ich erkläre der Ordensschwester meine Situation, und sie fragt mich, ob ich reserviert habe? Nein, entgegne ich ihr, aber ich erhalte doch noch ein Zimmer. Es dauert einfach noch eine Weile, bis es gerichtet ist. Das Zimmer ist ordentlich gut, mit Lavabo und Toilette. Die Dusche ist zwei Türen nebenan. Gemäss der Schwester sollen noch drei Pilgerinnen kommen. Ich glaube, die kenne ich. Vorerst treffen aber noch zwei unangemeldete Pilgerinnen ein. Langsam scheint die gute Schwester etwas überfordert zu sein. Schliesslich meistert sie die zahlreichen Gäste aber doch noch. Nach der wohltuenden Dusche besuche ich die sehenswerte Klosterkirche, hole mir einen Stempel und schiesse ein paar Fotos. Nun treffen auch die drei bekannten Pilgerinnen ein. Sie gehen zur Unterkunft ins Kloster und ich zum Gasthof ein Bier trinken. Zum Nachtessen verabreden wir uns alle im Gasthof. Nach und nach treffen alle Pilgerinnen ein. Das deftige Nachtessen schmeckt ausgezeichnet. Weil es noch früh ist, haben wir ausgiebig Zeit für interessante Gespräche, Pilgerfachsimpeln und Erfahrungsaustausch. Auf dem Rückweg zum Kloster besuche ich mit den drei bekannten Pilgerinnen noch die berühmte Tassilolinde, etwas ausserhalb des Klostergeländes. Es regnet in der Tat nicht mehr! Nach diesem kurzen Spaziergang trinken wir im Kloster in einer Sofaecke noch eine Flasche Rotwein und lassen den Abend gemütlich ausklingen.