Etappen

11. 30.06.2011
Weitnau - Lindenberg
12. 01.07.2011
Lindenberg - Lindau
13. 02.07.2011
Lindau - St. Gallen

 

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1. München - Kloster Schäftlarn

München Hbf Montag, 20. Juni 2011

25 km / 7 h
München – Tiergarten – Pullach - Baierbrunn – Kloster Schäftlarn
Nach den guten Erfahrungen vom Jakobsweg Fulda bis Konstanz möchte ich diesmal wieder in Deutschland den Münchner Jakobsweg gehen. Von München bis St. Gallen sind es etwa 13 Etappen, im Schnitt mit etwa 25 km pro Tag etwas weniger als letztes Jahr.
Gestern am Sonntag, 19. Juni 2011 etwas vor 9 Uhr fuhr mich meine Frau Angelika mit meinem Gepäck zum Bahnhof Wil. Ich verabschiedete mich von ihr und bestieg den Zug nach St. Gallen. Irgendwie konnte ich mir das Ganze noch gar nicht richtig vorstellen. In St. Gallen kaufte ich etwas Proviant für die Weiterfahrt nach München. Diese Fahrt nach München war etwas mühsam, denn wegen einer Baustelle an einer Brücke bei Lustenau mussten alle in einen Bus umsteigen, nachher in einen Regionalzug nach Lindau und dort dann in den „Richtigen“ nach München. Die armen Reisenden, die teilweise mit sehr viel Gepäck mühsam umsteigen mussten. Da hatte ich es einfach mit meinem rund 7.5 kg leichten Pilgerrucksack!
In München bezog ich sogleich die vorreservierte Besenkammer in einem einfachen Hotel direkt beim Münchner Hbf. Das winzige Zimmer ohne WC und Dusche kostete mich 49 Euro plus 8 Euro fürs Frühstück. Gestern Nachmittag war ziemlich etwas los in München, das 853. Stadtjubiläum. Auf und um den Marienplatz spielten zahlreiche Musikgruppen, und in den Festwirtschaften herrschte ein buntes, feuchtfröhliches Treiben. Das nicht nur wegen des vielen Biers, welches in Strömen floss, sondern auch wegen des Wetters Hin und wieder gab es teilweise heftigen Regen. Dazwischen aber immer wieder Sonne und somit auch einen bunten Regenbogen über den Dächern von München. Ich besuchte den Dom und den Jakobsplatz, sowie ein paar Tore. Im berühmten Hofbräuhaus zwängten sich vor allem Asiaten zwischen den vollbesetzten Bänken hindurch. Grund genug für mich, in den Augustienerkeller nebenan zu gehen. Gestärkt mit bayrischen Schmankerln und zwei Bieren besuchte ich nochmals den Marienplatz. In der Nähe spielte eine wirklich sehr gute Gruppe Irische Folksmusik. Die spielten phantastisch und es herrschte eine super Stimmung.. Auf dem Rückweg zum Hotel spielte noch ein hochkarätiges Kammerorchester verschiedene klassische Stücke wie „La Traviata“ von Verdi, „Rondo“ von Mozart, dann weitere musikalische Highlights von Brahms, Bach, Beethoven, Schubert, etc. Nach diesem musikalischen Leckerbissen ging ich müde ins Bett.
Heute Morgen geht es nun los! Ich kann es kaum erwarten. Ich erwache noch bevor der Wecker losgeht, etwa 10 Minuten vor 7 Uhr. Wecker, ja, ich wollte ja den Start auf keinen Fall verpassen! Ab jetzt stelle ich sicher auf dem ganzen Weg keinen Wecker mehr. Weil ich alles schön vorgepackt habe, bin ich schon kurz nach 7 Uhr der Erste im Frühstücksraum. Um 8 Uhr bezahle ich die Hotelrechnung und verlasse das Haus in Richtung Marienplatz. Das Wetter ist kühl, der Himmel bedeckt, aber es ist trocken, also sehr ideal! Ich wandere durch die Strassen zum Marienplatz und nachher Richtung Jakobsplatz, wo der eigentliche Weg beginnt. Am Marienplatz ist schon fast alles weggeräumt vom gestrigen Fest. Nun führt der Weg zum Deutschen Museum und dann auf der linken Isarseite flussaufwärts. Viele Läufer und Läuferinnen, Leute mit Hunden und junge Mütter mit Kinderwagen kommen mir entgegen. Ich wandere am Tiergarten vorbei und überquere nun die Isar. Bis Pullach geht es recht flott. Dort verpasse ich allerdings Verpflegung zu kaufen, denn ich realisiere nicht, dass nun keine Ortschaft mehr kommt, bis zum Tagesziel Schäftlarn. Nun folgt ein wunderschönes, romantisches Wegstück, immer der unberührten Landschaft der Isar entlang, teilweise auch hoch über dem Flussbett. Es ist ein wildromantisches Naturschutzgebiet. Langsam spüre ich den Hunger und bei einer Rast am Isarufer esse ich zwei Reihen dunkle Schokolade und trinke einen halben Liter Wasser. Nach diesem kurzen Halt wandere ich weiter talaufwärts und erreiche noch vor 15 Uhr mein Tagesziel, das Kloster Schäftlarn. Im Landgasthof Klosterbräu Stüberl direkt nebenan frage ich nach einem Zimmer. Es sind nur noch zwei Zimmer frei, aber eines genügt ja für mich. Nach dem Bezug gehe ich sogleich duschen und bereits das erste Mal Kleider waschen, ein schon richtiges Ritual auf dem Jakobsweg. Nun habe ich aber wirklich Hunger und Durst und setze mich in den Biergarten. Ein paar Weisswürste, eine Brezen und je einen halben Liter Mineral und Bier geben mir die Kraft, um den heutigen Tagebucheintrag zu schreiben und die Etappe von morgen zu studieren. Jetzt telefoniere ich noch kurz meiner Frau, es ist alles okay zu Hause und Angelika ist auch beruhigt, dass es mir gut geht.
Ich besichtige nun die Klosterkirche und fotografiere die Anlage aus verschiedenen Blickwinkeln. Das Nachtessen um etwa halb sieben Uhr ist wirklich gut, so richtig bayerisch, natürlich mit einem Löwenbräu. Zum Ausklang trinke ich nun noch ein Glas trockenen Riesling aus Eibelstadt in Franken, wo ich letztes Jahr durchpilgerte.